Einer von uns - Zum Tod von Winfried Brand

(* 25. August 1967, † 12. Dezember 2016)

Im Laufe der letzten Jahre, vor allem aber der letzten zwei Jahre, haben wir in unserem Corona Magazine viele Nachrufe verfasst. Dass 2016 mit einem weiteren enden würde, und diesmal zu niemand uns persönlich Unbekanntem, sondern zu jemandem, der uns in der iFuB- und Corona-Redaktion lieb und teuer war, damit hat niemand von uns gerechnet. Und trotz aller trauriger Meldungen der letzten Jahre wird wohl kaum ein Text für uns als Redakteure so schwierig zu verfassen sein wie dieser.

Als wir am gestrigen Dienstagmittag die E-Mail einer lieben Bekannten und anderen freien iFuB-Mitarbeiterin erhielten, deren Betreff sich um unseren Setzer Winfried Brand drehte, veranstaltete der Magen eine ungute Talfahrt, bevor sich noch das PC-eigene Outlook öffnete. Dass Winy schon seit einiger Zeit im Krankenhaus war, war uns bekannt und auch, dass es wohl schlechter stand als zunächst angenommen. Doch wie das so ist, die Hoffnung erhält man sich aufrecht, man spricht das eine oder andere Gebet, improvisiert bei den Projekten, bei denen der Betroffene involviert war und hofft, dass man ihn bald wieder als Freund und Mitarbeiter in der Runde begrüßen darf. Wenn man dann diese paar einfachen, viel zu endgültigen Worte liest, zieht es einem den Boden unter den Füßen weg. Immer.

Warum kann man den Kopf bloß nicht darauf vorbereiten?, fragte sich unsere Herausgeberin Jennifer an diesem Tag, und der Empfängerin von besagter E-Mail fiel kaum je ein »Anruf beim Chef« so schwer wie das Facetime-Gespräch mitten auf dem Weihnachtsmarkt, um die Hiobsbotschaft weiterzugeben. Eine Nachricht die nur wenige Tage zuvor noch mit Erleichterung als Falschmeldung aufgeklärt werden konnte. Nein, diesmal war es kein Irrtum: Der langjährige Freund der Redaktion und leidenschaftliche Science-Fiction-Fan Winfried Brand (geb. 1967), ist in der Nacht von Montag auf Dienstag an seiner kurzen, schweren Krankheit gestorben. Diesen Tag irgendwie noch professionell herumzubekommen, zwischen Verlags- und Event-Weihnachtsgeschäft und Kundenschulung, war für uns alle eine kaum zu bewältigende Herausforderung.

Winys Tod hinterlässt nicht nur bei uns und anderen Unternehmen wie dem PERRY RHODAN-Team und dem BLITZ-Verlag eine tiefe Lücke, Brand hinterlässt auch in der Phantastik-Szene viele Spuren. Engagiert genauso wie sein jüngerer Bruder Wolfgang in der Szene, hat Winy sich in den 1980er- und 1990er-Jahren für diverse Fanzines (z. B. »Empire«, »Warlock«, »New Tales From The Die World«) genauso wie für den ColoniaCon engagiert. Der riesigen Kölner SF-Szene war vor allem auch durch sein Mitwirken am »Terraner Intim«, dem Magazine des SFC Die Terraner bekannt. Das Fanzine »Vurguzz« veröffentlichte er selbst, genauso wie sein Herzblut-Projekt, das »Flash«, in welchem er sich als kompetenter Informant und Rezensent hervortat., während er parallel noch das »Abgelocht« herausgab.

Für den ColoniaCon kümmerte er sich vor wenigen Jahren noch um das Programm und die Con-Informationen und war beim Event auch immer gern gesehener Gast.

Im Jahr 2015 gründete Brand sogar seinen eigenen Verlag (»Wibra«), in dem er Trivialliteratur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts zum kostenfreien Download anbot und so einmal mehr einen wertvollen Beitrag zur Phantastik-Szene lieferte.



Winfried Brand (2.v.r.)

Wer Winy persönlich traf, erlebte ihn stets freundlich und meist gut gelaunt, wenn er auch damals wie heute durchaus sehr energisch und manchmal auch bissig in Diskussionen sein konnte. Durch seine sehr gediegene, entspannte Art entschleunigte er einen ganz automatisch auch selbst, was gerade für Verleger und Redakteure ein durchaus seltenes und wertvolles Erlebnis ist. Zugleich war Winy bei seiner Arbeit aber immer fix und bemerkenswert kompetent bei der Sache. Er hat seit über 2 Jahren die Redaktion des Corona Magazine und das Team des Verlags in Farbe und Bunt verstärkt, und ohne ihn hätten viele Projekte nicht so schnell und qualitativ hochwertig umgesetzt werden können. Winy stand uns nicht nur beim Setzen sowohl des Corona Magazine als auch bei den Büchern unseres Verlags unermüdlich zur Seite, sondern er hat unsere Verrücktheit in allen Belangen geteilt und war Tag und Nacht auch für die spontansten Änderungen noch zu haben. Zudem fand er beim Setzen immer wieder einmal noch Tippfehler, die selbst mehreren Lektoraten und Korrektoraten entgingen, und war nie zufrieden, bis ein Buch seinen und unseren optischen Ansprüchen genügte. Winy war mit seiner humorvollen, entspannten Art auch bei persönlichen Treffen im Team immer ein sehr gern gesehener Gesprächspartner und ist uns beispielsweise auch beim letzten BuCon völlig selbstverständlich zur Seite gestanden, wo auch das beiliegende Foto entstanden ist. Sicher kein Schnappschuss für die Ewigkeit, aber einer, der die familiäre und engagierte Atmosphäre im iFuB-Team, zu der Winy entscheidend beigetragen hat, sehr gut einfängt. Immer entgegenkommend, geduldig und verständnisvoll war Winy beim Aufbau unseres Startups einer der wichtigsten Grundpfeiler und wir werden ihn als Mitarbeiter, vor allem aber als Freund sehr vermissen.

Winfried Brand starb am 12. Dezember 2016 nach kurzer, schwerer Krankheit mit nur 49 Jahren. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Wir wünschen seiner Familie an dieser Stelle alles Gute und viel Kraft für die nächste schwere Zeit.

Die Phantastik-Szene hat einen ganz wunderbaren Menschen verloren.

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